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Interview x Elias Kindle «Die Kinder von heute sind die Entscheidungsträger von morgen»



Nachhaltigkeit hat Eingang in das Bewusstsein unserer Gesellschaft gefunden und immer mehr Menschen befassen sich mit der komplexen Thematik des Klima- und Umweltschutzes. Dass jedoch auch die Kleinsten unserer Gesellschaft bereits von Umweltbildung profitieren können, kommt erst langsam in unser Verständnis.


Unsere Kinder sind direkt von den Folgen der Umweltzerstörung betroffen. Doch insbesondere sie haben ein Recht auf eine intakte, gesunde und nachhaltige Welt. Umweltbildung in Schulen trägt dazu bei Umweltbewusstsein und -verantwortung zu kultivieren, nachhaltige Praktiken zu fördern, die Fähigkeit zum kritischen Denken zu entwickeln, Möglichkeiten für praktisches Lernen zu bieten und die Schüler auf eine Zukunft vorzubereiten, in der Kenntnisse und Fähigkeiten im Zusammenhang mit dem Umweltschutz erforderlich sein werden.


Die Liechtensteinische Gesellschaft für Umwelt (LGU) hat dazu 2021 das Projekt LOOPING ins Leben gerufen. LOOPING ist Teil der «BNE» – Bildung der nachhaltigen Entwicklung – und soll Kindern mit spannenden Projekten Nachhaltigkeit und Umweltbildung näherbringen. In Zusammenarbeit mit Stefanie Müller, einer ehemaligen Mitarbeiterin der LGU, kam die Idee des Projektes zustande. Mit LOOPING bietet die LGU die Möglichkeit Zusammenhänge in der Umwelt aufzuzeigen und den Primarschulkindern den persönlichen Bezug dank Praxisbeispielen näher zu bringen. Elias Kindle, Geschäftsführer der LGU und Experte in «Strategic Leadership towards Sustainability», besuchte Primarschüler in ihrem Unterricht und war von der grossen Begeisterung an den Experimenten sehr positiv überrascht. Der Triesner erfreute sich am Engagement der Kinder und blickt der Erweiterung des Projektes in den nächsten Jahren entgegen.




Ramona: Lieber Elias, danke dass du dir die Zeit für ein kurzes Interview genommen hast. Als Geschäftsführer der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umwelt bist du nun seit 2020 tätig? Zusammenhängend mit dem Start der Pandemie sicher kein leichter Start?


Elias:

Danke dir, für das Interesse! Ich hatte keine grossen Probleme, mich während der Pandemie einzuarbeiten. Anpassungsfähigkeit an Gegebenheiten, die nicht beeinflussbar sind, würde ich als eine meiner Stärken bezeichnen. Zudem hat mir mein breites Netzwerk aus meinen vorhergehenden Tätigkeiten gedient. Ich kannte bereits viele Schlüsselpersonen im Umweltbereich persönlich. Dank der Kleinheit des LGU Teams konnten wir uns regelmässig persönlich treffen - mit Maske natürlich, aber das hat gut funktioniert. Die Zusammenarbeit mit dem Vorstand hat sich etwas schwieriger gestaltet. Durch die gute IT Infrastruktur konnte wir den Austausch jedoch immer gewährleisten.

Schwieriger war es, als LGU Geschäftsführer Präsenz zu zeigen, da der persönliche Austausch auf Veranstaltungen gefehlt hat. Aber auch hier waren wir innovativ und haben Veranstaltungen online besucht und selbst durchgeführt.



Ramona: Auf welche Projekte fokussiert sich die LGU momentan und an was arbeitest du?


Elias:

Ein spannendes Projekt, das auf viel Anklang stösst, ist die Biodiversitätsförderung in Rebbergen in Zusammenarbeit mit dem Liechtensteinischer Ornithologischer Landesverband und Birdlife Schweiz.

Winzer*innen in Liechtenstein werden dazu eingeladen die Artenvielfalt in ihren Rebflächen zu fördern, indem sie auf ihren Flächen Strukturen für wärmeliebende Arten schaffen. Die LGU unterstützt sie dabei die Massnahmen zu definieren und umzusetzen.

Zudem liegt uns der Wildfluss Rhein sehr am Herzen. Sein ökologischer Zustand ist gegenwärtig katastrophal. Dies ist sehr wenigen Leuten bewusst oder noch schlimmer, es ist ihnen sogar egal. Uns ist es wichtig ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Rhein die Lebensader unseres Tales ist und dass er sehr viel Freude und zusätzliches Leben bringen kann. Durch Rheinaufweitungen können in Liechtenstein Naturperlen für Mensch, Tier und Pflanzen entstehen und das grösste Biodiversitätsprojekt unserer Zeit umgesetzt werden.


Apropos Biodiversität. Das gemeinsame Ziel der UNO Biodiversitätskonferenz von Montreal vom Dezember ist es, dass jedes Land bis 2030 30% Schutzgebiete ausweist. Wir möchten dabei konstruktive Lösungsansätze mitgestalten und uns dafür einsetzen, dass dieses Ziel erreicht wird. Aktuell gelten 15% der Landesfläche als geschützte Naturräume (etwas mehr als 1% sind Naturschutzgebiete).



Ramona: Die LGU hat gerade sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Sprich, bereits mehrere Generationen haben ihren Teil zur Umweltbildung, Umweltpolitik und Naturschutzmassnahmen beigesteuert. Wie wichtig ist es, auch die zukünftigen Generationen - unsere Kinder – einzubinden, und wie können wir das machen?


Elias: Sehr wichtig. Die Kinder von heute sind die Entscheidungsträger von morgen. Deshalb ist es wichtig, dass sie eine intakte Umwelt schätzen und gleichzeitig die Verbundenheit zur Natur erfahren. Denn die Natur ist unser wertvollstes Gut und unsere Lebensgrundlage - bei unseren Alltagsentscheidungen gilt es stets daran zudenken.

Ramona: Erzähle uns doch bitte über das Projekt LOOPING. Um was geht es und was wird damit geplant?


Elias: Es geht darum, die Zusammenhänge zwischen Natur, Gesellschaft und Wirtschaft aufzuzeigen und die Abhängigkeiten sowie den Nutzen einer intakten Natur für Mensch, Tier, Pflanzen und Pilze mit Praxisbeispielen zu verdeutlichen. Eine erfolgreiche Koexistenz zwischen Mensch und Natur setzt voraus, dass wir eine Vielzahl von Lebensräumen zulassen. Es braucht ebenso Wildnisgebiete wie auch artenreiche landwirtschaftlich genutzte Flächen. Wir schaffen ein Bewusstsein für diese Zusammenhänge und erarbeiten gemeinsam neue Denkansätze, die eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft ermöglichen.



Ramona: Wie wurde das Projekt ins Leben gerufen?


Elias:

Die Projektidee entstand gemeinsam mit Stefanie Müller einer ehemaligen Mitarbeiterin der LGU und Wildbienenspezialistin. Die kleinen Sympathieträger eignen sich hervorragend, um Zusammenhänge aufzuzeigen.



Ramona: Es werden verschiedene Themen an verschiedenen Primarschulen [EK1] behandelt, wie Mikroplastik oder die Rheinaufweitung. Wie wurden die Themen [EK2] ausgewählt?


Elias:

Unser Angebot zielt auf die Kernkompetenzen, die laut dem Liechtensteiner Lehrplan behandelt werden müssen. Wir bieten dabei nicht nur einen einfachen Einstieg in die Themen, sondern teilen auch aktuellstes Wissen aus erster Hand.



Ramona: Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Schulen?


Elias: Sehr positiv. Die Lehrpersonen sind sehr interessiert an unserem Angebot. Meist gelangen wir an die Lehrpersonen aus unserem persönlichen Netzwerk, oder die bereits in der Vergangenheit mit der LGU in Berührung gekommen sind. Ohne diese Voraussetzungen gestaltet es sich schwieriger, Interesse zu wecken.



Ramona: Welcher Teil der Projekte hat den Kindern besonders viel Spass gemacht und was konnte alles erarbeitet werden?


Elias: Die Kinder haben besonders viel Spass bei den Exkursionen zu den Wildbienen gehabt, wo sie die Zusammenhänge in der freien Natur erleben konnten. Aber auch die praktischen Beispiele zur Mikroplastik-Problematik, wo wir Experimente im Klassenzimmer durchführten war sehr interessant. Die Kinder simulierten einen Waschvorgang der Waschmaschine und analysierten den Waschschaum unter dem Mikroskop.



Ramona: Was war dein persönliches Highlight an LOOPING?


Elias: Mein persönliches LOOPING Highlight ist, dass viele der Aktivitäten ergebnisoffen sind. Das bedeutet, dass die Kinder selbst Lösungsansätze finden müssen und auf diese Weise ihre Kreativität und ihr Denkvermögen fördern. Zudem lerne auch ich bei jedem Schulbesuch etwas Neues und bin jedes Mal aufs Neue von der Begeisterung und dem Engagement der Kinder beeindruckt.



Ramona: Wird die Zusammenarbeit mit den Schulen dieses Jahr weitergeführt? Und wie können auch andere Schulen an LOOPING teilnehmen?


Elias: Für den Rest dieses Schuljahres sind wir beinahe ausgebucht. Bei Interesse zu den Themen Wildbienen, Grünfläche, virtuelles Wasser und (Mikro-)Plastik können wir gerne für das folgende Schuljahr Schulbesuche planen. Anfragen an info@lgu.li oder per Telefon +423 232 52 62.



Ramona: Warum liegt dir Nachhaltigkeit am Herzen?


Elias: Mir liegen Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze und die natürliche Umgebung am Herzen. So wie wir Menschen unser Leben heute gestalten, beuten wir die Natur aus und zerstören nicht nur unsere Lebensgrundlage, sondern auch die Lebensgrundlage vieler anderer Lebewesen. Dies hat bereits jetzt viele negative Einflüsse auf das Leben der Menschen. Wir müssen endlich anerkennen, dass das Leben aus Geben und Nehmen besteht und entsprechend Handeln.



Ramona: Was ist dein Lieblings-Nachhaltigkeitstipp für den Alltag?


Elias: Auf Essen und Trinken verzichten und zwischendurch die Luft anhalten *zwinker*. Danach wird einem schnell Bewusst, dass wir von der Natur abhängiger sind, als es uns im Alltag bewusst ist.



Ramona: Hast du für Kinder noch einen tollen Buchtipp, welcher sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt?


Elias: «Der neugierige Garten» von Peter Brown. Liam lebt in der Stadt und findet in seinem Quartier ein Stück Land, auf dem er anfängt zu gärtnern. Das ist nur der erste Schritt zur Begrünung der ganzen Stadt.



Ramona: Vielen lieben Dank für das Interview!

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